Der Ortolan | Vogelberingung in der Steckbyer Feldflur

Vogelfang- und Beringung in der Steckbyer Feldflur. Die Zielart ist der Ortolan, eine Ammern-Art, die sich im „Zerbster Ackerland“ noch an einigen Plätzen sehr wohl fühlt.

Diese Art ist in Deutschland nicht häufig und ebenfalls, wie andere Vogelarten der Feldflur, durch die intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden bedroht.

Die Ortolane (auch Gartenammer) sind in ihren Brutrevieren eingetroffen und man hört sie an geeigneten Stellen in der Steckbyer Feldflur kräftig singen. Sehr auffällig ist der etwas melancholische Gesang dieser Ammer. Seinen Lebensraum teilt sie mit Arten wie Dorngrasmücke, Gartengrasmücke, Grauammer, Gelbspötter, Nachtigall, Rebhuhn und einigen anderen Vogelarten der Feldflur. Stefan Fischer von der Vogelschutzwarte rief mich an und fragte, ob ich ihn beim Vogelfang begleiten möchte. Das lass ich mich natürlich nicht zweimal fragen und sagte kurzerhand zu.

Stefan Fischer ist Diplombiologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter der staatlichen Vogelschutzwarte in Steckby, verantwortlich für Arten- und Biotopschutz, insbesondere für die Vogelmonitoring-Programme im Land Sachsen-Anhalt. Seit 30 Jahren ist er aktiver Beringer von Vögeln und hat in seiner ornithologischen Laufbahn sicherlich tausende von ihnen in der Hand gehalten und mit passenden Ringen versehen. Für seinen Beruf und die Tätigkeit als Ornithologe und Beringer bringt er viel Erfahrung mit und verfügt über exzellente Artenkenntnisse. Für mich als „Freizeit-Vogelgucker“ ist das eine super Gelegenheit, etwas dazu zu lernen und mein Wissen zu verbessern.

Das Prozedere ist recht simpel: Mit dem Auto langsam durch die Feldflur fahren, die Scheiben herunterkurbeln und mit den Ohren nach dem Gesang des Ortolan „Ausschau“ halten. An bekannten Ortolanrevieren hören wir, wie erwartet, zwei singende Männchen. Das Auto im Feldweg geparkt, die Leichtmetallstangen, das spezielle Fangnetzt und ein Tablet gegriffen, und schon geht es los.

Der Fangplatz ist in diesem Fall der Elzholzgraben mit viel Bäumen und Sträuchern. Stefan Fischer springt über den Graben und bohrt eine Stange in die Erde. Das Fangnetz wird an der Stange befestigt und die zweite Stange auf der anderen Grabenseite im Boden fest gemacht. Das Netz schön locker auseinander gezogen ist dann kaum noch zu sehen.

Nun kommt das Tablet zum Einsatz. Die passende Tondatei mit dem Gesang des Ortolan ist gespeichrt und wird nun abgespielt. Das Tablet liegt dafür einfach im Gras in der Nähe des Netzes.

Wir entfernen uns vom Netz und behalten es im Auge und bereits nach einigen Minuten fliegt der Ortolan hinein. Vorher antwortet er energisch auf den Gesang des vermeintlichen Rivalen und fliegt in die Richtung, aus der unser Tablet ihm ein weiteres Männchen vorgaukelt.

Sofort wird der Ortolan aus dem Netz berfreit, vermessen, gewogen und beringt. Alles wird fein säuberlich dokumentiert, noch schnell ein Foto vom Vogel gemacht und wieder in die Freiheit entlassen.

Im Anschluss können wir keinen Ortolan mehr fangen, dafür allerdings drei Drosselrohrsänger mit der selben Methode.

Der melancholische Gesang des Ortolan:

Fotos: Matthias Keller

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