Hornkraut rettet den Großen Wehl

Der „Große Wehl“, ein kleiner elbnaher See in der Elbaue, hat es seit Jahren nicht leicht. Seit dem letzten Hochwasser 2013 bekam er keinerlei Frischwasser, außer der Regenfälle natürlich. Aber gerade diese sind seit April fast komplett ausgefallen, so dass die Wasserstände der kleineren Gewässer dramatisch gefallen sind.

Letzte Woche habe ich mich aufgemacht und den Wehl besucht. Ich habe nicht daran geglaubt, noch einen See vorzufinden. Bereits in den letzten Jahren war der Wasserstand sehr gering und die Wasseroberfläche voll bedeckt mit Wasserlinse oder Schwimmfarn. Man staunt, dass sich doch noch Fische halten. Wenn viel Sonne und Hitze auf flache Gewässer trifft, und das über Monate, wird der Sauerstoff im Wasser knapp. Einige Fischarten kommen damit klar, andere weniger oder garnicht.

Desto mehr war ich überrascht zu sehen, dass die Wasseroberfläche frei war. Der Wasserstand ist in diesem Sommer noch weiter gefallen, aber Wasser war noch drin im Großen Wehl. Bei näherem Hinsehen konnte ich viel Grünes entdecken, also keine schwarze Brühe ohne Leben. Nein, der komplette Gewässergrund des Wehls war bedeckt mit Hornkraut und das Wasser war glasklar! Wie ein Unterwasserdschungel sah das aus. Zwischen den Pflanzen schwammen kleine Fische, Fischbrut aus diesem diesem Jahr. Unglaublich.

Der Effekt des üppigen Pflanzenteppichs aus Hornkraut ist ein sehr positiver. Hornkraut entzieht dem Wasser sehr viel überschüssige Nährstoffe, die sonst das Algenwachstum anheizen. Und außerdem produziert das Hornkraut Sauerstoff; sehr viel Sauerstoff, den die Wasserbewohner dringend brauchen. Kurzum, der Große Wehl sah aus wie ein großes Aquarium. Ein Unterwasserparadies für Fischbrut, Wasserinsekten und deren Larven. Es ist erstaunlich, wie sich ein kleines Ökosystem an widrige Verhältnisse anpassen kann und das Beste daraus macht. Natürlich spielen dabei viele Faktoren eine Rolle, der Wehl allein schafft das nicht.

Fotos: Matthias Keller

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: