Prachttaucher durch Windkraftanlage zu Notlandung gezwungen?

In Kuhberge auf einem sehr kleinen Baggerteich kann derzeit ein Prachttaucher (Gavia arctica) bestaunt werden. Er gehört zur Gattung der Seetaucher und brütet in der nördlichsten gemäßigten Zone, der Tundra und der Taiga Eurasiens sowie dem äußersten Westen Alaskas. Auf dem Zug im Herbst und Winter werden diese Taucher auch in Mitteldeutschland regelmäßig beobachtet.

Das ist ein nicht alltägliches Ereignis. Prachttaucher verirren sich zur Brutzeit, also im Sommer, sehr selten ins Binnenland. Im Winter dagegen können auf den großen Seen Mitteldeutschlands hin und wieder Seetaucher gesehen werden. Allerdings schwimmen sie weit draußen auf den Wasserflächen und sind nur mit einem starken Spektiv zu bestimmen.

In Kuhberge dagegen schwimmt er direkt vor den Augen der Badegäste. Sehr heißes Wetter lockt die Menschen zur alten Kiesgrube. Der relativ große Taucher hat sein Brutkleid „angezogen“ und sieht besonders schön aus. So sieht man diesen Vogel sonst nur im Brutgebiet. Es ist also eine absolute Ausnahmeerscheinung, den Prachttaucher jetzt hier aus der Nähe beobachten zu können.

Windkraftanlagen als Vogelfalle?

Nun stellen sich Ornithologen natürlich die Frage: Warum landet dieser Taucher ausgerechnet auf dieser kleinen „Pfütze“?
In einer Entfernung von wenigen hundert bis tausend Metern steht ein Windpark, der aktuell weiter ausgebaut wird. Meine Vermutung ist, dass der Prachttaucher beim Fliegen in einen massiven Luftwirbel geriet und zum Landen gezwungen wurde. Ein direkter Kontakt mit den Rotoren hätte den Vogel sofort getötet.

Sein Verhalten deutet darauf hin, dass er keine schweren Verletzungen aufweist. Ob der Taucher fliegen kann, wissen wir erst, wenn er weiter gezogen ist. Das Nahrungsangebot an kleinen Fischen und Mollusken ist in dem Baggerteich gut. Er wird sich hoffentlich erholen und dann weiter ziehen.

Vor allem größere Vögel kollidieren mit Windrädern. Dieses Problem ist hinlänglich bekannt. Es gibt ausführliche Berichte und detaillierte Untersuchungen, die die Tötung von Vögeln durch Rotoren belegen. Und dabei handelt es sich nicht nur um ein paar Dutzend!

Der Prachttaucher bei Wikipedia.

Fotos stammen von mir, sind mit dem Smartphone durch das Spektiv gemacht und in der Qualität deshalb nicht so gut. Der Eindruck dieses schönen Seetauchers kommt aber gut herüber.

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